Er filmt meist im freien Fall
Sein Filmstudio ist in 4500 Meter Höhe, als Kulisse dient ihm der Horizont. Hampi Engler filmt bei bis zu 280 Stundenkilometer Geschwindigkeit im freien Fall. Der XX-jährige Urner ist Skydive-Kameramann und filmt die Kunststücke seiner Fallschirmspringer-Kollegen. Wenn sie aus dem Flugzeug oder aus dem Helikopter springen, ist Engler mit seiner am Helm befestigten Kamera mit dabei. "Die Schwierigkeit liegt darin, dass du deine Hände nicht nutzen kannst, sämtliche Kamerabewegungen machst du mit dem Kopf", erklärt Engler. Und das bei einem enormen Luftdruck: "Man kann sich das am besten vorstellen, wenn man einmal beim Fahren auf der Autobahn den Kopf aus dem Fenster streckt."
Auch schon fürs Fernsehen gefilmt
Als Kameramann muss er nah ran gehen, dass das im freien Fall schwierig ist, erklärt sich von selbst. "Eigentlich gelingen mir die meisten Aufnahmen. Nur zweimal habe ich mich verfilmt, präzis dann als zwei Kollegen aus Uri ihren ersten Fallschirm-Tandemsprung machten." Dass sein Filmmaterial ansonsten etwas taugt, hat auch eine amerikanische Internetplattform entdeckt. "Plötzlich haben die mich angefragt, ob ich Interesse hätte meine Filme auf ihrer Seite anzubieten." Reich wird Engler dabei aber nicht: "Die Skydive-Szene ist überschaubar und das Interesse an den Filmen ist mehrheitlich auf diesen Kreis beschränkt." Filmen durfte er auch schon für das Fernsehen: Sowohl für das Schweizer Fernsehen als auch für das frühere Tele Tell (heute Tele 1) hat er schon Freifall-aufnahmen beim Fallschirmspringen gemacht. "Bei Tele Tell war sogar der Moderator als Tandempassagier mit in der Luft." Die meisten seiner Filmaufnahmen werden von Engler selber geschnitten und vertont.
Skydiving ist wie Velofahren
Zum Fallschschirmspringen ist Hampi Engeler 2002 gekommen. Er, der früher Kampfsport ausübte, musste nach zwei Knieoperationen damit aufhören. "Ich suchte nach einer Alternative, probierte es mit Fitness und landete schliesslich beim Fallschirmsport", fasst er seine Suche zusammen. Breiten- oder gar Massensport wäre für den Individualisten nie in Frage gekommen. 33 Sprünge brauchte er bis zum Brevet (Fallschirmspringen ohne Brevet ist nicht erlaubt). Engler ist Mitglied im Para-Sportclub Triengen, für diesen Verein ist er auch meistens mit seiner Helmkamera in der Luft. Fallschirmspringen (auf englisch Skydive oder Skydiving) ist seine Leidenschaft: "Schon nach dem ersten Mal ist man süchtig." Nach mittlerweile knapp 1000 Absprüngen ist Skydiving für ihn wie Velofahren: "Alle beim Springen notwendigen Bewegungsläufe sind im Unterbewusstsein gespeichert." Das Adrenalin schiesst nur noch in den aller seltensten Fällen in seine Adern.
Ganz sicher kein "Halli-Galli"
Sein Sport habe nichts mit Selbstmord zu tun, auch er wolle am Abend wieder gesund zu Hause sein. "Wir machen kein ‹Halli-Galli›, wir springen mit Köpfchen." In eine brenzlige Situation ist aber Hampi Engler auch schon gekommen: "Beim Öffnen des Hauptschirms hat sich der kleinere Öffnungsschirm verklemmt, so dass ich den Notschirm ziehen musste." Nachdem er unbeschadet gelandet ist, hat er seinen Notschirm frisch packen und sich vom Flugzeug sogleich wieder zum nächsten Absprung fliegen lassen.
Springt am liebsten über Uri ab
Am liebsten ist Engler mit dem Flügelanzug (Wingsuit) in der Luft unterwegs. "Damit kann man Fliegen wie ein Flugzeug." Während ein Springer in normaler Bauchposition 1 Minute im freien Fall ist, kann dank Wingsuit die Freifallzeit auf 2,5 Minuten ausgedehnt werden. Gerne würde Engler einmal im Kanton Uri einen Demonstrationsflug als Attraktion für eine Anlass machen. Überhaupt liebt er es in Uri zu springen: Vier bis fünfmal im Jahr bucht er einen Heliflug und springt über dem Urner Reusstal ab. Ein anderes Mal ist er mit einem Kollegen auf den Gitschen gegangen, von wo die beiden mit einem Tandem-Gleitschirm starteten. Hoch über Seedorf hat sich Engler schliesslich von seinem Flugpartner ausgeklinkt, um nach einer kurzen Zeit im freien Fall den Fallschirm auszulösen und sicher in Seedorf zu landen. Selbstverständlich wurden all diese Flüge auf Film gebannt und über Internet verbreitet. "Ich lasse die Zuschauer an meiner Freude teilhaben."
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